Céline Werdelis
Steff la Cheffe

FRAUEN AUF SCHWEIZER FESTIVALBÜHNEN

Frauen sind in der Musikbranche in der Unterzahl. Seit zwei Jahren verfolge ich die Thematik in Form von Panels, die ich besuche, Artikeln, die ich lese und Gesprächen, die ich führe. Es werden oft dieselben möglichen Gründe genannt: Stereotypisches Denken, welches immer noch zu sehr verankert sei, dass sie nicht die gleichen Chancen wie Männer hätten und dass sie sich schlechter verkaufen könnten. Bei möglichen Lösungen wie einer Frauenquote, waren sich meine Gesprächspartner*innen jeweils nicht sicher, ob sie dafür oder dagegen sein sollen. Die häufigsten Gegenargumente waren: «Bei einer Quote würde die Qualität darunter leiden» oder: «Für eine Quote gibt es schlicht zu wenig Acts.» Ob Frauenquoten eine mögliche Lösung wären und welche Pro- und Kontra-Argumente im Raum stehen, dem wollte ich vertiefter nachgehen.


Schau mal auf die Bühnen, wie viele
Frauen siehst du an einem Schlagzeug,
der Gitarre oder dem Bass? Wie viele
Männer?
— FÖRDERVEREIN HELVETIAROCKT

Aktuelle Situation auf
Schweizer Festivalbühnen

Ich habe alle Acts der sieben grössten Festivals 2018 ausgewertet. Dazu zählen die Openairs Frauenfeld, Gampel, St.Gallen und Zürich sowie die Festivals Greenfield in Interlaken, Gurten in Bern und Paléo in Nyon.

Auswertung:
Es wurden sämtliche Acts der Festival-Line-up’s ausgewertet. Dj’s und Djane’s inbegriffen. Ausgenommen sind lediglich Komiker*innen, Poetry-Slam-Artist*innen und klassische Orchester. Acts, die nicht dem männlich oder weiblich Geschlecht zugeordnet werden konnten, wurden nicht mitgezählt.


 

Act-Verhältnis 2018


Wieso ist Das Gefälle beim Openair Frauenfeld und Greenfield Festival so gross?

Das Openair Frauenfeld ist das grösste Hip-Hop-Festival Europas, das Greenfield ein Rock-Festival mit Acts aus den Genres Metal, Punk und Alternative Rock. Niklaus Riegg, Ressortleiter der Kulturförderung Stadt Zürich im Bereich der aktuellen Musik (Jazz, Pop und Rock) sowie ehemaliger Booker des Blue Balls Festivals in Luzern, erklärt sich dies so:


 

Act-Verhältnis 2018 insgesamt


mögliche Gründe für den gender gap

Folgende mögliche Ursachen wurden bei Diskussionen* am häufigsten genannt:

  • Es fehlt an der frühen Förderung im Kindesalter durch Eltern und Schule.

  • Es liegt daran, dass viele immer noch diese Stereotypen der Mädchen, die mit Puppen spielen und gerne singen, vor Augen haben, während Jungs sich mit Spielzeugautos beschäftigen und am Schlagzeug oder der E-Gitarre hantieren.

  • Frauen stellen sich nicht gerne in den Vordergrund, trauen sich weniger zu und können sich schlechter vermarkten.

*SMA presents: Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem?, GENDER, WHO CARES?! | m4music 2018


Rollenfindung

Die Rollenfindung beträfe nicht nur die Musik, so die Berner Rapperin Steff la Cheffe. Es gehe auch um den Vaterschaftsurlaub, die Frauen in der Wirtschaft, der Politik, ja sogar in der Bibel.

Es wäre falsch, wenn nur Frauen untereinander die Problematik diskutieren. Es geht um unsere Rollen in der Gesellschaft generell - als Mann und als Frau.
— Steff la Cheffe

Wäre eine FrauenQuote einE mögliche Lösung?

Jennifer Jans, Leiterin B-Sides Festival
Das B-Sides Festival ist bis anhin das einzige Schweizer Festival, welches sich der Keychange Initiative* angeschlossen hat.

Niklaus Riegg, Ressortleiter der Kulturförderung Stadt Zürich im Bereich der aktuellen Musik (Jazz, Rock und Pop)
Davor war Niklaus Booker des Blue Balls Festivals in Luzern

Steff la Cheffe, Rapperin aus Bern

Dany Hassenstein, Booker des grössten Schweizer Festivals Paléo in Nyon

*Die PRS Foundation aus England will mit der internationalen Keychange Initiative bis 2022 ein 50:50-Verhältnis zwischen Frauen und Männern auf Musikbühnen erreichen.


Steff%2BLa%2BCheffe-1-7.jpg

Headliner

Die Bands, welche in den ersten paar Zeilen auf einem Plakat stehen, die das Line-up sozusagen «anführen», nennt man Headliner. Headliner sind Künstler oder Bands, die angeblich am meisten Publikum anziehen. «Headliner könnte man viel bewusster setzen, das würde längerfristig etwas ändern», ist sich Niklaus Riegg von der Kulturförderung Stadt Zürich sicher:


Förderung - sich Vernetzen, AusTauschen und voneinander Lernen

Eine frühe Förderung - bereits im Kindesalter - sei wichtig, sind sich diverse Vertreter*innen der Musikbranche einig. Auf Erwachsenenstufe gibt es vor allem zwei Vereine, die sich stark für eine Förderung von Frauen in der Schweizer Musikszene einsetzen. In den Bereichen Jazz, Rock und Pop ist das der Verein Helvetiarockt. Er berät, vermittelt und gibt Workshops. Les Belles de Nuit fördert und vernetzt Frauen und andere Minderheiten in der elektronischen Musik- und Kulturszene.

Fassbare Vorbilder fehlen. Damit sind Musikerinnen gemeint, die sich
«ganz normal» ihr Leben damit
verdienen. Keine Pop-Stars…
— föderverein HELVETIAROCKT

In meiner Radio-Diplomarbeit ging ich vertiefter auf die Quotenthematik ein. Meine Interviewpartner*innen äussern sich in den folgenden Minuten ausführlich zum Thema Frauen auf Schweizer Festivalbühnen.


Ich freue mich über Feedback, Anregungen und weitere Lösungsansätze.

Alle Bilder und Videos © Céline Werdelis